Die DPD-Messung ist eine verbreitete Methode zur Bestimmung von freiem und Gesamtchlor. Vereinfacht gesagt oxidieren freie Chlorformen den DPD-Farbstoff zu einem gefärbten Produkt, dessen Intensität visuell oder photometrisch ausgewertet wird. ISO 7393-2 beschreibt eine DPD-basierte Methode für freies und Gesamtchlor in Wasser. Der Normrahmen ist wichtig, weil er zeigt, dass Messung selbst Chemie ist: Reagenzien, Pufferung, Reaktionszeit, mögliche Störungen und Konzentrationsbereiche gehören zur Aussage dazu. Freies Chlor und Gesamtchlor müssen getrennt gelesen werden. Freies Chlor umfasst die reaktionsbereite freie Reserve. Gesamtchlor umfasst zusätzlich gebundene Chlorformen, etwa Chloramine, die entstehen können, wenn aktive Chlorchemie mit stickstoffhaltigen Verbindungen reagiert. Wenn freies und Gesamtchlor deutlich auseinanderliegen, ist das ein Hinweis auf gebundene Chloranteile oder Reaktionsprodukte.
Für HOCl-nahe Lösungen ist diese Trennung wichtig, weil organische Last nicht nur FAC verbraucht, sondern neue Chlorverbindungen erzeugen kann. Die DPD-Reaktion findet nicht im luftleeren Raum statt. Die Probe wird mit Reagenzien und meist mit einem definierten Puffer in ein Messfenster gebracht. Genau dadurch wird die Messung reproduzierbar, aber auch methodisch begrenzt. Hohe Konzentrationen, starke Färbung, Trübung, andere Oxidationsmittel, ungewöhnliche pH-Werte oder zu lange Reaktionszeiten können die Lesart verändern. Eine Zahl ohne Messkontext wirkt präziser, als sie chemisch ist.
Für Gesamtchlor wird gebundenes Chlor nach geeigneter Reaktion mit erfasst. Die Differenz zwischen Gesamtchlor und freiem Chlor wird häufig als gebundener Anteil gelesen. Dieser Unterschied ist nicht nur analytisch, sondern praktisch relevant: Gebundene Chlorformen besitzen andere Reaktivität, andere Geruchsprofile und andere Aussagekraft für die freie Reserve.
Deshalb ist ein einzelner Gesamtchlorwert kein Ersatz für FAC, wenn es um freie aktive Chlorchemie geht. Die Angabe „frei“ bedeutet dabei nicht, dass die Spezies im Alltag frei von jeder Wechselwirkung wäre. Sie bedeutet, dass die Methode jene Chlorformen erfasst, die in diesem Messfenster als freie verfügbare Chlorreserve reagieren. Schon deshalb darf man die analytische Fraktion nicht mit einer vollständigen Beschreibung der Lösung verwechseln.
DPD macht eine wichtige Ebene sichtbar; andere Ebenen bleiben offen.